Einjährige Berufsfachschule Fahrzeugtechnik feierte 60-jähriges Bestehen an der Gewerbeschule Mosbach – knapp 140 Jahre nach der Einwicklung des ersten stationären Benzinmotors als Einzylinder durch Carl Benz.

Mosbach. In der sehr gut besuchten Aula der Gewerbeschule Mosbach feierte die einjährige Berufsfachschule Fahrzeugtechnik (1BFR) am 02.12.2019 ihr 60-jähriges Bestehen. Zu Beginn des Festaktes begrüßte der Abteilungsleiter KFZ/Metall, Herr Studiendirektor Steffen Thum, die Gäste und hieß auch zahlreiche Ehrengäste willkommen, darunter Herr Landrat Dr. Achim Brötel, Herr Dietmar Clysters, Obermeister der KFZ-Innung, Klaus Hofmann, Präsident der Handwerkskammer Mannheim, ehemalige leitende Lehrkräfte sowie Kollegen aus benachbarten Schulen. Er betonte die Verdienste der engagierten Lehrkräfte dieser Schulart und richtete seinen Dank an die diesjährigen Schüler der 1 BFR und an ihre Klassenlehrerin Frau Denz für ihre tolle Mitorganisation dieses Festaktes. Es wurde deutlich, dass diese Schulart aus der Schullandschaft und aus der Gewerbeschule nicht mehr wegzudenken ist und somit ihre Daseinsberechtigung hat. Denn seit Einführung im Jahre 1959 blieben die Schülerzahlen stetig auf beinahe gleichem Niveau. 

Anschließend hielt der Schulleiter der Gewerbeschule, Herr Oberstudiendirektor Andreas Hoffner, die Eröffnungsrede. Seinen ganz besonderen Dank galt Herrn Dr. Brötel und seinem Team für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die den schulischen Erfolg seit nunmehr 60 Jahren an der Gewerbeschule gewährleistet. Auch die dualen Partner haben einen großen Anteil an diesem Erfolg. Ohne die teils finanzielle und fachliche Unterstützung der Partnerbetriebe in der Ausbildung, wäre die Beschulung, die Abnahme von Fachprüfungen und die Aufarbeitung von neuester Technik an und mit Fahrzeugen nicht so professionell möglich.

Anschließend ließ er sich etwas Besonderes einfallen. Er führte in einer „Zeitreise“ durch die Geschichte der 1 BFR und gab bildliche Einblicke in die Vergangenheit. Mit der Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg 1952 entwickelte sich rasch eine handwerklich geprägte Struktur mit Kleinbetrieben und mittelständischen Unternehmen. Das Wirtschaftswunder war ein Erfolg der Facharbeiter im handwerklichen und industriellen Gewerbe. Um der technologischen Entwicklung Rechnung zu tragen, erfolgte in den handwerklichen Betrieben ab den 60er und 70er Jahren eine zunehmende Spezialisierung. Im Land Baden-Württemberg reagierte der Staat auf diesen Sachverhalt mit der Einrichtung einjähriger Berufsfachschulen, in denen die berufsfeldbreite Grundbildung in der Schule in Theorie und Praxis durchgeführt wird. Im Fall der Gewerbeschule erfolgte ein entsprechender Antrag der Innung des Kraftfahrzeughandwerks im Handwerkskammerbezirk Mannheim am 17. Oktober 1956. Es wurde die Bitte herangetragen, eine einjährige BFS für das Kraftfahrzeuggewerbe einzurichten. Die Begründung lag einerseits in dem Mangel an ausgebildeten Facharbeitern, aber auch in der Tatsache, dass die werksgebundenen Werkstätten von den Herstellern sächlich und finanziell sehr gut ausgestattet sind, um ihren Lehrlingen eine optimale Ausbildung anbieten zu können. Es dauerte aber noch zwei weitere Jahre und viele Briefwechsel bis letztendlich im Jahr 1958 die Zustimmung des Kultusministeriums zur Einführung vorlag. So kam es dazu, dass 1959 die 1 BFR an der Gewerbeschule Mosbach, drei Jahre nach Antragstellung, eingeführt wurde. Eine schon immerwährende Streitfrage und ein wichtiges Thema war die Anerkennung der 1 BFS und ihre Anrechnung auf die Ausbildungszeit. Wurde bei Abschluss des Lehrvertrages das Zeugnis der einjährigen Berufsfachschule beigelegt, erfolgte die Anrechnung davor in der Lehrlingsrolle automatisch. Das war seit 2009 nicht mehr zulässig. Eine Anrechnung der einjährigen Berufsfachschulen als erstes Lehrjahr ist seither nur noch auf gemeinsamen Antrag der beiden Vertragspartner, das heißt dem Ausbildenden und dem Lehrling, möglich. Herrn Hoffner war es ebenfalls wichtig noch einige weitere Veränderungen und Entwicklungen der 1 BFR zu nennen, unter anderem wurde im Jahr 2001 aus dem Kfz-Mechaniker und dem Kfz-Elektriker der Kfz-Mechatroniker gebildet und ab 2005 Lernfelder eingeführt, die auf einen ganzheitlichen, projekt- und handlungsorientierten Unterricht ausgerichtet sind. Somit wurde der bekannte Fächerkanon aufgelöst und der Unterricht in betrieblichen Handlungsfeldern organisiert. Es hat sich nämlich nicht nur die Technik verändert, sondern auch die berufliche Bildung.

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Nach der „Zeitreise“ richtete Landrat Dr. Brötel seine Grußworte an die Zuhörer und überbrachte die Glückwünsche des Landkreises zu einer Erfolgsgeschichte, die sich durch inzwischen über 1500 hervorragend ausgebildete KFZ-Mechatroniker/-in belege. Auch er betonte, dass die damalige Einführung der 1 BFR ein kluger Schachzug war, denn nur wenige Kilometer von Mosbach entfernt wurde 1959 in Neckarsulm die Produktion des Audi- und NSU Werkes wiederaufgenommen. Somit konnte man dem vorherrschenden Fachkräftemangel entgegenwirken und die Chancen der Schülerinnen und Schüler auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Dass die Kooperation Schule und Betrieb sehr gut funktioniert, zeigt sich auch dadurch, dass sich einige Ausbildungsbetriebe dem Festakt anschlossen und das 60-jährige Jubiläum mitfeierten. Stellvertretend für die Ausbildungsbetriebe hat Herr Roland Käsmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses, und ehemaliger Schüler der Berufsfachschule seine Erfahrungen aus seinen zwei Blickwinkeln als Schüler, aber auch als Leiter eines Ausbildungsbetriebs geschildert. Ebenfalls würdigte er die sehr gute Kooperation und Kommunikation mit der Gewerbeschule. Am Herzen lag ihm außerdem, dass er alle Schülerinnen und Schüler ermutigen möchte, niemals mit dem Lernen aufzuhören und immer mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Die Bereitschaft für lebenslanges Lernen wird wichtiger denn je sein.

Ebenso haben Herr Klaus Hofmann, Präsident der Handwerkskammer Mannheim/Rhein-Neckar/Odenwald, und Herr Dietmar Clysters, Obermeister der KFZ-Innung des Rhein Neckar Odenwald, den Weg nach Mosbach zum Festakt gefunden. Herr Hofmann würdigte die „Diamantene Hochzeit“ der einjährigen Berufsfachschule KFZ, mahnte aber gleichzeitig an, dass man nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft blicken soll.

Herr Clysters ging anschließend auf die Innovationen der Fahrzeugentwicklung ein und stellte heraus, dass sich die KFZ-Branche in einem Umbruch befindet, bei dem die Bereitschaft daran teilzunehmen eine wichtige Aufgabe sei. Im Anschluss übergab Herr Clysters an Herrn Hoffner einen Scheck.

Im Anschluss ging man gemeinsam in die Kfz-Werkstatt. Dort haben die Schüler der Einjährigen Berufsfachschule KFZ zu einer Vorführung eingeladen, die sie ganz stolz präsentierten. In einem Projekt mussten sie die letzten sechs Dekaden zu den Themen Geschichte, Ereignisse und Autos ausarbeiten. Zu jeder dieser Dekade wurde ein zeitgemäß passendes Fahrzeug ausgestellt.

Am Ende konnten die interessanten Gespräche bei einem kleinen Umtrunk fortgesetzt werden.

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